Die Gratwanderung der Europäischen Zentralbank - Finanzservice Leibenzeder - Versicherungsmakler Emmendingen || Freiburg Leibenzeder Finanzservice

Die Europäische Gratwanderung – Der Weg aus der Krise

Für Bergsteiger sind Gratwanderungen der besondere Kick. Für die Politik und die Wirtschaft aber sind sie ein schwieriger Balanceakt. Es gilt den Ausgleich für die Risiken auf beiden Seiten zu finden. Diesen Ausgleich hat derzeit die Europäische Zentralbank zu finden. Sie muss einen allmählichen Ausstieg aus dem derzeitigen geldpolitischen Krisenmodus zu finden, welcher seit Jahren vorherrscht.

Die EZP sieht sich dabei zwei großen Risiken ausgesetzt. Einerseits das Risiko einer zu harschen Zinskorrektur, andererseits das Risiko, mit einer steten Fortsetzung des billigen Geldes immer stärkere Turbulenzen und Stabilitätsrisiken an den Finanzmärkten und der angeschlossenen Wirtschaft in Kauf zu nehmen.

Die größte Aufgabe der Europäischen Zentralbank besteht aber derzeit darin das Tempo der Ausstiegspolitik richtig zu dosieren und zeitgleich den dafür richtigen Ton zu treffen.

Geldpolitik in Zeiten der Krise

Der Alltag der Notenbanken besteht darin, immer wieder abzuwägen ob Sie ihren geldpolitischen Kurs modifizieren. Dass die letzten Jahre nicht einfach wahren wissen wir alle und hat die Lage auch nicht besser gemacht. Durch die ultraexpansive Geldpolitik der letzten Jahre, hat die EZB nicht nur dafür gesorgt, dass der Leitzins gen Null tendiert und die Einlagezinsen bei Banken in den negativen Bereich rutschen; nein auch durch das massive Anlaufprogramm von Anleihen pumpt sie jeden Monat einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag in den Markt, um so auch die noch verbliebenen Zinsen für langfristigen Anleihen und Kredite nach unten zu drücken.

Nun lässt sich darüber streiten, ob dies Politik, zumindest partiell ihre Berechtigung gehabt hat. Wären dies Programme nicht gestartet worden wäre die Lage einiger europäischer Länder sicherlich noch deutlich schlechter. Letztlich war es aber von vorneherein klar, dass durch diese Art der Politik die Risiken auf beiden Seiten des Weges deutlich zunehmen werden. Wenn wir es beleuchten sind es einerseits Risiken die sich bei einer fortgesetzten Expansionspolitik auftürmen, und andererseits die Risiken, die in zu schneller Ausstieg mit sich bringen würde. Somit sind wir wieder bei der eingangs beschriebenen Gratwanderung. Sie lässt sich einfach nicht vermeiden!

Wo sind die Risiken

Mit einem Blick auf die Zinshöhe im Euro-Raum wird eines deutlich. Die Situation ist verfahren. Auf der einen Seite verharren die Zinsen für Anleihen und Kredite mit kurzen Laufzeiten auf historischen Tiefständen, auf der anderen Seite sind die langfristigen Zinsen, beispielsweise für Immobilienkredite oder langlaufende Staatsanleihen in den letzten Wochen wieder gestiegen. Grund hierfür sind sicherlich die Erwartungen an einen allmählichen ausstieg der EZB aus dem Aufkaufprogramm der Anleihen. Vereinzelt sind die Sorgen zu hören, dass der Zinsanstieg bei einem abrupten Ende der Politik zu stark ausfällt.

Die könnte sich auch durchaus bestätigen und wir rechnen nicht mit einem schnellen Ausstieg. Denn die Politik möchte es unter allen Umständen vermeiden die derzeit gute Konjunktur durch zu stark steigende Zinsen gleich wieder abzuwürgen. Unisono damit einhergehen würde auch eine niedrigere Inflation die nicht im Sinne der EZB sein kann. Denn durch Inflation entschulden sich die Länder durch die Hintertür. Für den Sparer ist Inflation allerdings Gift und er erhält für seine klassischen Sparanlagen unter Umständen einen Negativzins. Für den Finanzsektor wäre ein zu schnelles Aussteigen ein Problem, denn bei steigenden Zinsen könnten sich die Zinserlöse aus langfristigen Krediten nur langsam verändern, während die Marktzinsen mit den Zinskosten im Gleichschritt schnell steigen würden.

Das ewige Festhalten einer zu lockeren Geldpolitik birgt aber ebenfalls ein Risiko in sich. Die nötige Zinswende würde immer schwieriger werden und zeitgleich steigt die Gefahr von Preisblasen einzelner Vermögenssegmenten wie Anleihen, Aktien oder Immobilien. Mit diesen Blasen nehmen auch die Gefahren von Fehlinvestitionen und infolgedessen die Risiken für eine längerfristige Finanzstabilität zu. Zudem gibt es weniger Anreize für das Sparen und die notwendige Alterssicherung.

Höchste Zeit für die Gratwanderung

Was also soll die EZB tun? Der Wunsch der privaten Kreditinstitute besteht inzwischen darin, dass die EZB sich auf die Gratwanderung begibt und die Umkehr langsam und mit Umsicht wieder zurückfährt. Außergewöhnliche Umstände verlangen zwar außergewöhnliche Maßnahmen, doch so außergewöhnlich sind die Zeiten nicht mehr. Nicht nur, dass die gesamteuropäische Wirtschaft seit nunmehr vier Jahren wächst – in den letzten beiden Jahren sogar um fast 2 Prozent pro Jahr. Auch die Inflationslinie hat sich inzwischen von der Nulllinie gelöst und dürfte sich in den kommenden Monaten bei ca. 1,5 Prozent einpendeln. Von einer Deflation sind wir inzwischen weit entfernt.

Weder negative Einlagezinsen, noch milliardenschwere Anleiheankäufe passen in solch ein Umfeld. Schon seit längerer Zeit beobachten wir eine Schieflage durch diese Geldpolitik. Hier sollte die EZB reagieren. Die EZB hat nun die Aufgabe den Marktteilnehmern das Vertrauen in die Märkte zurückzugeben, und die Aufgabe zu vermitteln, dass ihr Handeln mit Weitblick erfolgt und sicherstellt, zukünftige Stabilitätsrisiken zu minimieren. Wenn dieser Schritt erfolgreich wird, dann sollte es auch in Zukunft keine Negativzinsen für die Kapitalmarktzinsen mehr geben. Im Gleichschritt sollten auch durch das langsam auslaufen der Anleihekäufe die langfristigen Zinsen nur moderat ansteigen. Das Risiko mit einer behutsamen Entschleunigung die wirtschaftliche Erholung abzuwürgen wäre somit äußerst gering. Die Warnungen vor einem zu schnellen Ausstieg haben zwar durchaus Ihre Berechtigung, sollten aber nicht als Vorwand genommen werden die nötigen Entscheidungen weiter aufzuschieben.

Je länger mit den nötigen Korrekturen gewartet wird, desto größer werden die Risiken für eine Finanzstabilität. Die Zeit drängt also: spätestens ab dem nächsten Jahr unwiderruflich auf den Weg machen und den Einsatz der geldpolitischen Instrumente langsam zurückfahren.

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